Der Leipziger Osten

Der 3,4 km² große Stadtteil Leipziger Osten liegt östlich des Stadtkerns und besteht aus den Ortsteilen Neustadt-Neuschönefeld, Volkmarsdorf und Teilen von Reudnitz und Anger-Crottendorf. Das Wohngebiet mit ehemals kleinteiliger Nutzungsmischung ist durch dichte gründerzeitliche Blockstrukturen und einen großen Anteil innerstädtischer Plattenbauten geprägt. Hier leben aktuell etwa 32.500 Menschen.

Der Stadtteil gilt seit Jahren als ein Schwerpunkt der Stadterneuerung in Leipzig. Die den Stadtteil kennzeichnenden Problemlagen resultieren auch aus historischen Besonderheiten: Etwa um 1900 entwickelte sich die Eisenbahnstraße infolge des raschen Bevölkerungswachstums und dem damit in Verbindung stehenden Nachfragewachstum zu einer Einkaufsstraße, die Gewerbestruktur wies bereits zu dieser Zeit eine starke Einzelhandels- und Dienstleistungsbesatz auf. Bis zum II. Weltkrieg blieb das Viertel ein typisches Arbeiterquartier, das durch eine räumliche Ballung von Wohnen, Industrie und Einzelhandel, eine hohe Bevölkerungsdichte, bescheidene Wohnungen in einfacher Ausstattung, fehlendes Grün und eine Ausrichtung der Infrastruktur auf Zweckmäßigkeit und Schnelligkeit geprägt war. Nach dem II. Weltkrieg wurde das Umfeld der Eisenbahnstraße im Wesentlichen dem Verfall preisgegeben. Die Bevölkerungszusammensetzung wurde von Angehörigen sozial schwacher Schichten dominiert, eine Wohnraumzuweisung erfolgte vor 1989 v. a. für so genannte Sozialfälle oder Straffällige, während die Mittelschicht den Stadtteil sukzessive verließ. Vor allem in den 1990er Jahren erlebte der Stadtteil einen gravierenden Bevölkerungsrückgang.

Diese historischen Besonderheiten bilden die Basis dafür, dass der Leipziger Osten heute Vorreiter, zugleich aber auch Problemkind der Stadterneuerung in Leipzig ist. So kam es etwa ab dem Jahr 2000 zwar zu einer Stabilisierung der Bevölkerungszahl, das geschah aber v. a. durch den Zuzug einkommensschwächerer Familien und Menschen mit Migrationshintergrund, während einkommensstärkere Haushalte weiterhin fortzogen. Heute leben über 70 Prozent aller Kinder im Stadtteil von Sozialgeld, das durchschnittliche Haushaltseinkommen beträgt lediglich 918 Euro (2010). Der Anteil an Migrant/-innen liegt je nach Quartier zwischen 25 und 29 Prozent, die Arbeitslosenquote liegt deutlich über dem städtischen Durchschnitt (10,2 Prozent) – im Ortsteil Volkmarsdorf z. B. bei 19,5 Prozent; etwa 95 Prozent aller Arbeitslosen beziehen Transferleistungen aus dem SGB II.

Leerstände im Wohnungs- wie im Gewerbebereich prägen nach wie vor das äußere Erscheinungsbild des Stadtteils.

Der Leipziger Osten fungiert heute als „Ankommensstadtteil“ und bildet quasi das Integrationstor zur Stadt Leipzig: Neuankömmlinge lassen sich hier nieder, bauen eine Existenz auf, finden Arbeit und verlassen den Stadtteil, sobald sie dazu wirtschaftlich in der Lage sind. Vor Ort verbleiben die wirtschaftlich Schwachen und es folgen weitere Neuankömmlinge. Um diesen Kreislauf verträglich zu gestalten, bedarf es einer entsprechenden Unterstützung sowohl in baulicher, sozialer als auch wirtschaftlicher Hinsicht. Das BIWAQ-Vorhaben „Schnittstellen für neue Arbeit im Quartier“ versteht sich hier als eines der Ankerprojekte für die weitere Entwicklung des Wirtschaftsstandorts Leipziger Osten.

Detaillierte Darstellungen zur Entwicklung des Leipziger Ostens finden Sie im Sammelband: Henn, S./ Behling, M. (Hrsg.), 2010: Aspekte integrierter Stadtteilentwicklung. Frank & Timme, Berlin.
 

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